Deinen Roman überarbeiten – die 3 größten Fehler

von Jurenka Jurk

Schreiben macht Spaß – die Überarbeitung des Geschriebenen hingegen wird oft etwas stiefmütterlich behandelt. Immerhin ist dein Hauptgeschäft als AutorIn ja das Schreiben und nicht das korrigieren, oder?

Falsch gedacht! Das Überarbeiten gehört nicht nur zum Schreibhandwerk dazu, es ist auch eine der wichtigsten Arbeitsphasen an deinem Buch und ein unerlässlicher Teil deines Autorenlebens. Das Geniale daran ist: Wenn du weißt, wie du sinnvoll und effektiv überarbeitest, macht es sogar Spaß! Es wird also eher ein überspaßen, als ein überarbeiten.

Warum es so wichtig ist, dein Manuskript zu überarbeiten

Wenn du zum ersten Mal deine Geschichte aufschreibst, legst du den Fokus darauf, die Story zu erzählen. Das heißt, du bringst die Worte zu Papier und hast am Ende ein Manuskript vorliegen. Ein Manuskript – auch Rohfassung genannt – ist aber noch lange kein Buch. Das ist ein bisschen so, wie wenn du versuchst, eine Vase aus Ton herzustellen. Nur weil sie die ungefähre Form hat, ist es noch keine schöne Vase. Du musst Fehler korrigieren, die Form weiter verbessern, die Vase brennen und vielleicht bemalen.

Ähnlich ist es auch mit deinem Buch. Die Rohfassung ist nur ein erster Entwurf und nichts, was du deinen Lesern zeigst. Sebastian Fitzek zum Beispiel überarbeitet seine Manuskripte etwa fünf Mal, ehe er sie aus der Hand gibt.

Wenn du das Überarbeiten als eigenen Arbeitsschritt einplanst und dir dafür auch entsprechend Zeit gibst, nimmst du dir zudem den Druck, mit deiner Rohfassung schon perfekt sein zu müssen.

Die Überarbeitungsrunden sind also wichtig, aber gerade hierbei werden immer wieder drei wesentliche Fehler gemacht, die du unbedingt vermeiden solltest.

Fehler 1: Gar nicht überarbeiten

Ein Buch schreibst du, indem du dich hinsetzt und Buchstaben zu halbwegs sinnvollen Sätzen formst, bis diese die Seiten füllen. Hast du eine bestimmte Anzahl an Seiten zusammen und schreibst das Wort Ende unter deinen Text, bist du fertig. Ein Geniestreich! Jetzt nichts wie ab zur Veröffentlichung, Ruhm, Geld und Ehre?

Pustekuchen! Ich kenne viele Autoren, aber keinen, der so seine Bücher schreibt. Alle Autoren überarbeiten! Denn erst dadurch entsteht ein gutes Buch.

Warum nicht überarbeiten ein Fehler ist

Fehler sind ärgerlich

Nicht ärgern sondern rechtzeitig überarbeiten!

Fakt ist: Das Überarbeiten ist ein wichtiger Bestandteil beim Romane schreiben. Je eher du das akzeptierst, desto leichter fällt es dir auch, damit loszulegen.

Vielleicht hast du ja auch die Hoffnung, dass deine TestleserInnen/LektorInnen die Überarbeitung für dich übernehmen. Dafür hast du sie ja schließlich, oder?

Falsch. TestleserInnen und LektorInnen sind dazu da, DIR dabei zu helfen, das Beste aus deinem Manuskript herauszuholen. Das können sie aber nur, wenn du selbst die Arbeit leistest – sowohl bevor sie es das erste Mal in die Finger kriegen, als auch danach.

Ohne deine Überarbeitungen können sie dir zwar helfen, aus einer Rohfassung eine besser lesbare Rohfassung machen, aber kein gutes Buch.

Fehler 2: Beim Schreiben überarbeiten

Bevor du mit einer Schreibsitzung anfängst, setzt du dich hin, liest nochmal den Text aus der letzten Sitzung und überarbeitest ihn. Danach schreibst du weiter. Klingt doch ganz gut, oder? Immerhin hast du dann gleich zwei Schritte in einem absolviert, sparst dir die Überarbeitung des gesamten Manuskripts und damit auch jede Menge Zeit.

Warum beim Schreiben überarbeiten ein Fehler ist

Der Glaube, Zeit und Arbeit zu sparen, wenn man direkt beim Schreiben überarbeitet, ist eine Milchmädchenrechnung. Denn auch wenn du glaubst, Zeit zu sparen und ein besseres Manuskript abzuliefern, ist genau das Gegenteil der Fall.

Jede Schreibsitzung mit der Überarbeitung der vorherigen zu beginnen, macht dich langsam. Du feilst (meist ohne Plan) an Sätzen und Aussagen, wirst dazu neigen, stundenlang über das richtige Wort nachzudenken und beißt dich schließlich an einer bestimmten Szene fest.

Dein innerer Kritiker ist auch während des folgenden Schreibprozesses eingeschaltet und hindert deine Kreativität daran, frei zu fließen und der Geschichte ihren natürlichen Lauf zu lassen. Das behindert deinen Schreibfluss, bis du am Ende vielleicht sogar so blockiert bist, dass du gar nicht mehr schreiben kannst.

Wenn du Szene für Szene überarbeitest, ohne den Rest der Geschichte zu kennen, läufst du außerdem Gefahr, Probleme zu übersehen. Dein Blick ist auf das Detail gerichtet, ohne das große Ganze im Kopf zu haben. Du überarbeitest nicht nach System, sondern nach Bauchgefühl, womit wir auch schon beim dritten Fehler sind.

Fehler 3: Überarbeiten nach Bauchgefühl

Wenn du nach Bauchgefühl überarbeitest, liest du deine Geschichte nochmal (oft auch in Verbindung mit Fehler 2 nur Szenenweise), besserst hier mal was aus und änderst dort mal etwas ab und das ohne wirklichen Plan.

Warum überarbeiten nach Bauchgefühl ein Fehler ist

Wenn du nur mal hier und mal dort etwas an deinem Text herumdokterst, nimmst du dir jede Chance, deinen Schreibstil zu verbessern. Anstatt wirklich etwas zu lernen, murkst du mehr schlecht als recht an deinem Text herum und hoffst, mit „Versuch und Irrtum“ irgendeine Lösung zu finden. Dabei weißt du eigentlich gar nicht genau, wo dein Problem liegt, weil du auch hier das große Ganze nicht im Blick hast.

Du versuchst einfach, zu viel auf einmal zu machen und wirst dadurch viele Fehler und Probleme übersehen. Daher ist es besser, mit System vorzugehen. Baue mehrere Überarbeitungsrunden ein und konzentriere dich in jeder Runde auf einen anderen Punkt in deinem Manuskript.

Fazit: Überarbeiten mit System gehört einfach dazu

Betrachte deinen ersten Manuskript-Entwurf am besten als einen Rohdiamanten. Noch ist er ein stumpf, aber mit dem richtigen Schliff wird er strahlen, funkeln und alle begeistern.

Entwickle also ein System, das zu dir und deiner Arbeitsweise passt. Überlege dir, was du warum überarbeiten willst. Abreite dein Manuskript in mehreren Runden durch und konzentriere dich in jeder Runde auf eine Aufgabe.

So macht das Überarbeiten sogar Spaß, denn du fühlst dich sicherer, professioneller und siehst, wie dein Manuskript mit jeder Runde besser wird!

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Jurenka ist Leiterin der Romanschule Schreibfluss. Sie hat Kreatives Schreiben mit Hochschulabschluss studiert und seither in fast 10 Jahren über 300 angehenden Autoren die Erfolgsgeheimnisse für ihre Schreibprojekt vermittelt.

Mit dem von ihr über die Jahre entwickelten Konzept „Der Romanfahrplan„, den sie in der Ausbildung zum Romanautor vermittelt, gibt sie ihren Autoren eine systematische Anleitung an die Hand, so dass es ihr Schreibprojekt Schritt für Schritt auch wirklich bis ins Buchregal schafft.
Auf dem Selfpublishing-Day 2019 in Nürnberg hält sie einen Vortrag zum Thema „Romane überarbeiten – mit Spaß“.
www.schreibfluss.com

 

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